Gerhard Schröder Vermögen: Wie Deutschlands ehemaliger Bundeskanzler nach seinem Ausscheiden aus dem Amt ein Vermögen von 20 Millionen Euro aufgebaut hat

Last updated on
Manche politischen Karrieren enden nicht, wenn die Kameras ausgeschaltet werden. In den zwei Jahrzehnten seit seinem Ausscheiden aus dem Amt hat Gerhard Schröder, Deutschlands siebter Bundeskanzler und der letzte noch lebende Bundeskanzler des Landes, gezeigt, wie lukrativ das Leben nach der Macht sein kann.
Sein geschätztes Vermögen, das im Jahr 2023 bei etwa 20 Millionen Euro liegt, stammt nicht aus einem Buchvertrag und einer bescheidenen Rente. Es wurde Stück für Stück durch ein außergewöhnlich komplexes Geflecht aus Vortragsaufträgen, Aufsichtsratsmandaten und am umstrittensten russischen staatlichen Energieunternehmen aufgebaut.
Am 7. April 1944 wurde Schröder in Mossenberg in eine Familie geboren, die auf Sozialhilfe angewiesen war. Noch bevor er seinen kleinen Sohn zu Gesicht bekam, fiel sein Vater an der Ostfront im Kampf. Schröder räumte später ein, dass die Familie zu den “sozial unerwünschten” gehörte, denen die Menschen ausweichen, indem sie die Straßenseite wechseln. Vor diesem Hintergrund ist der Werdegang seines Vermögens umso bemerkenswerter.
Er kämpfte darum, seine Ausbildung fortzusetzen, arbeitete abends und besuchte Abendkurse, bis er an der Universität Göttingen sein Jurastudium abschloss. Es ist möglich, dass dieser Hunger jene besondere, herzlose Art, die aus echter Armut resultiert sein späteres aggressives Streben nach finanziellen Möglichkeiten beeinflusst hat.
Im Gegensatz dazu war seine Amtszeit als Bundeskanzler von 1998 bis 2005 finanziell bescheiden. Im Gegensatz zu Angela Merkels späterem Monatsgehalt von mehr als 35.000 Euro verdiente er Berichten zufolge während seiner Amtszeit etwa 8.300 Euro pro Monat. Schröders wahres Verdienstpotenzial kam jedoch erst zum Tragen, sobald er das Amt niedergelegt hatte. Nur wenige Tage nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt unterzeichnete er einen Beratervertrag mit dem Schweizer Medienkonzern Ringier.
Kurz darauf erklärte er sich bereit, den Vorsitz im Gesellschafterausschuss der Nord Stream AG zu übernehmen, einem Pipeline-Projekt, das Deutschland und Russland verbindet. Die Position wird Berichten zufolge mit 250.000 Euro pro Jahr vergütet. Kritiker bezeichneten dies als Lobbyarbeit. Schröder bezeichnete es als Fachwissen.
Das Kapitel “Rosneft” hat die intensivste und anhaltendste Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Schröder hatte viele Jahre lang den Vorsitz im Aufsichtsrat des russischen staatlichen Ölriesen inne und verdiente Berichten zufolge jährlich rund 600.000 Euro. Nachdem Russland im Mai 2022 in die Ukraine einmarschiert war, trat er von diesem Amt zurück, doch der Schaden für seinen Ruf war bereits angerichtet.
Seine Freundschaft zu Wladimir Putin, von der er sich nie ganz distanziert hat, verwandelte eine Post-Politik-Karriere, die eigentlich nur leicht umstritten hätte sein können, in etwas weitaus Heikleres. Von außen betrachtet entsteht der Eindruck, dass Schröder wirklich glaubte, sein Zugang zu Moskau mache ihn wertvoll. Schwerer zu beurteilen ist, ob er sich bewusst war oder sich Gedanken darüber machte, wie dieser Zugang nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts wirken würde.
Die Beratungstätigkeit beschränkte sich nicht auf Russland. Schröder verdiente Berichten zufolge zwischen 500.000 und 750.000 Euro pro Jahr als Berater für verschiedene Aufträge, beriet die Libyan Investment Authority und arbeitete ab 2006 zehn Jahre lang für die Rothschild Bank. Agenturen zahlten ihm zwischen 50.000 und 75.000 Euro für jede Rede, die er hielt. Er verkaufte dem Unternehmer Carsten Maschmeyer die Rechte an seiner Biografie für 2 Millionen Euro.
Seine Bücher, darunter Werke über politische Entscheidungsfindung und internationale Ordnung, trugen zu diesem Berg bei. Zudem erhält er eine staatliche Rente von etwa 8.500 Euro pro Monat sowie ein Büro und Mitarbeiter, die von den deutschen Steuerzahlern finanziert werden. Dieses Privileg sorgt seit langem für öffentliche Empörung, insbesondere in den letzten Jahren, da die Kosten Berichten zufolge 500.000 Euro pro Jahr übersteigen.
Es ist schwer zu sagen, ob irgendetwas davon unvermeidbar war, aber es könnte sich lohnen, darüber nachzudenken. Schröder war stets pragmatisch und an den wirtschaftlichen Aspekten der Macht interessiert. Sein gesetzgeberisches Vermächtnis, die Hartz-Reformen und die Agenda 2010, zeigte, dass er bereit war, schwere politische Gegenreaktionen in Kauf zu nehmen, um das zu erreichen, was er als wirtschaftlich unverzichtbar erachtete. Dies führte zu Spaltungen innerhalb seiner eigenen Partei.
Deutschland hat sich noch nicht umfassend mit der Frage auseinandergesetzt, ob sich eben dieser Pragmatismus, losgelöst von demokratischer Rechenschaftspflicht, einfach zu etwas anderem entwickelt hat. Die finanziellen Mittel sind real. Schwieriger ist es, die Kosten in Bezug auf Ansehen, politisches Vermächtnis und moralische Klarheit zu beziffern.
