Daniel Vasellas Vermögen beläuft sich auf 375 Millionen Franken und die Geschichte hinter jedem einzelnen Franken

In den meisten Jahren nach seiner Zeit bei Novartis hat Daniel Vasella konsequent versucht, zu jener Art wohlhabender Schweizer zu gehören, die es vorziehen, nicht im Rampenlicht zu stehen. Sein Vermögen wird vom Schweizer Wirtschaftsmagazin *Bilanz* auf rund 375 Millionen Franken geschätzt eine Zahl, die seit einigen Jahren zwischen 400 und 375 Millionen schwankt. Vasella hat diese Angabe nie bestätigt, und es handelt sich eher um eine Schätzung als um eine geprüfte Zahl. Jeder, der den langen und verschlungenen Verlauf seiner Karriere verfolgt hat die Novartis-Jahre, die Abfindung, der Vorfall in Monaco –, wird bestätigen, dass diese Zahl in etwa zutreffend erscheint.
Vasellas Vater, ein Geschichtsprofessor, der starb, als Daniel dreizehn war, wurde 1953 in Freiburg geboren. Zwei seiner Schwestern starben in jungen Jahren eine an Krebs, die andere bei einem Unfall. Er hat all dies im Laufe der Jahre in Interviews angesprochen, und es ist bemerkenswert, wie diese Rückschläge ihn offenbar zu einem Arzt und schließlich zu einem Pharma-Manager geformt haben, der von der Idee besessen ist, das Unheilbare zu heilen. Nach Abschluss seines Medizinstudiums an der Universität Bern und seiner Tätigkeit als Oberarzt am Inselspital tat er etwas, was nur wenige Ärzte seiner Generation taten: 1988 verließ er die Medizin und wechselte zu Sandoz in den Vereinigten Staaten.
| Information | Details |
|---|---|
| Vollständiger Name | Daniel Lucius Vasella |
| Geboren | 15. August 1953, Freiburg, Schweiz |
| Nationalität | Schweizerisch |
| Ausbildung | M.D., Universität Bern (1980); Program for Management Development, Harvard Business School (1989) |
| Bekannt für | Mitgründer und CEO von Novartis AG (1996–2010), Verwaltungsratspräsident (1999–2013) |
| Aktuelle Rollen | Ehrenpräsident von Novartis; Direktor bei PepsiCo und American Express; Vorstandsmitglied von Numab Therapeutics |
| Geschätztes Vermögen | Ca. 375 Millionen CHF (Bilanz-Schätzung 2019, spätere Schätzungen zwischen 350–400 Millionen CHF) |
| Wohnort | Risch, Kanton Zug, Schweiz |
| Familie | Seit 1978 mit Anne-Laurence Moret verheiratet; drei Kinder |
| Bemerkenswerte Bücher | Magic Cancer Bullet: How a Tiny Orange Pill Is Rewriting Medical History (2003) |
Der Kurswechsel war erfolgreich. Vasella wurde 1996 zum CEO von Novartis ernannt, nachdem Sandoz und Ciba-Geigy im Rahmen der damals größten Fusion in der Pharmabranche zusammengeschlossen worden waren. Er war zweiundvierzig Jahre alt. Auch wenn die folgenden Jahre nicht immer einfach waren Novartis verlor nach der Fusion vorübergehend Marktanteile, und der gescheiterte Versuch des Unternehmens, Aventis im Jahr 2004 zu übernehmen, wird in den Basler Vorstandsetagen noch heute diskutiert –, gehörte Novartis Anfang der 2000er Jahre zu den am schnellsten wachsenden Pharmaunternehmen der Welt. Das Krebsmedikament Glivec, das Vasella förderte, wurde zu einem karrierebestimmenden Durchbruch.
Auch sein Gehalt prägte seine Karriere, allerdings auf andere Weise. Vasella war einer der bestbezahlten Manager der Schweiz, mit einem Jahresgehalt von rund 42 Millionen Schweizer Franken auf seinem Höchststand im Jahr 2007 (einige Berichte beziffern es sogar auf 44 Millionen). Nach einer späteren Berechnung der Ethos-Stiftung erhielt er allein zwischen 2002 und 2012 rund 312 Millionen Franken von Novartis. Rechnet man die Jahre davor hinzu, beläuft sich die Gesamtvergütung auf weit über 400 Millionen. Der Großteil der geschätzten 375 Millionen stammt hierher. Tatsächlich handelt es sich nicht um Geld aus unbekannten Quellen. Es ist Geld aus Gehaltsabrechnungen, das über viele Jahre hinweg angespart und in Treuhandfonds, Aktien und Immobilien investiert wurde.
Dann kam der Moment, der seinen Ruf beinahe ruiniert hätte. Im Februar 2013, nur zwei Wochen bevor die Schweizer Bevölkerung über die bekannte *Abzocker-Initiative* abstimmen sollte jene Initiative, die sich gegen Führungskräfte wie ihn richtete –, kam die Nachricht ans Licht, dass Vasella über einen Zeitraum von sechs Jahren bis zu 72 Millionen Franken für eine Wettbewerbsverbotsklausel erhalten sollte. Gelinde gesagt war der Zeitpunkt katastrophal. Die Nation war in Aufruhr. Vasella lehnte das Paket innerhalb weniger Tage ab. Die Initiative wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen.
Was dann folgte, gleicht fast einem Schweizer Roman in Zeitlupe. Vasella gab an, ins Ausland zu ziehen, meldete sich in Risch ab und lebte zunächst in den Vereinigten Staaten, dann in Südamerika und schliesslich in Monaco, wo er angeblich eine Maisonette-Wohnung mit Dachterrasse und Pool für rund 24 Millionen Euro erworben hatte. Die Zuger Steuerbehörden waren sich nicht sicher, ob er tatsächlich weggezogen war. Sie behaupteten daraufhin, sein angeblicher Umzug nach Monaco im Jahr 2013 sei eine Täuschung gewesen und sein tatsächlicher Lebensmittelpunkt habe die ganze Zeit in Risch gelegen, und ein Gericht gab ihnen 2020 Recht. Wasserrechnungen und Nespresso-Kapseln waren ein fast schon komisch anmutendes Detail des Alltags, das den Fall zu besiegeln schien. Seine Konsumgewohnheiten auf dem Anwesen in Risch standen laut Ermittlern im Widerspruch zu denen eines echten Bewohners von Monte Carlo.
Bis 2016 war er nach Risch zurückgekehrt, wo er gewissermaßen schon immer gewesen war. Er wohnt dort nach wie vor auf einem 53.000 Quadratmeter großen Anwesen am Seeufer, das er Novartis in einem anderen Rechtsstreit um ein Vorkaufsrecht abgenommen hatte. Das Anwesen, zu dem Wirtschaftsgebäude und ein Herrenhaus gehören, ist die Art von Grundstück, die in Zug selten öfter als einmal pro Generation zum Verkauf angeboten wird. Auf dem Grundstück baut er angeblich einen bescheidenen Wohnkomplex. Einheimische behaupten, der Gärtner sei ständig beschäftigt.
Vasella tritt heutzutage zurückhaltender auf. Er hat keine öffentlich umstrittenen Ämter inne, sitzt in den Vorständen von PepsiCo und American Express in den USA und tätigt selektive Investitionen in Biotech-Unternehmen wie Numab Therapeutics, XBiotech und Immunos. Laut den jüngsten SEC-Unterlagen wird allein die PepsiCo-Beteiligung auf etwa 7 Millionen Dollar geschätzt. Als Verwaltungsratsmitglied sorgt seine Vergütung von American Express für einen stetigen Einkommensstrom. Auch wenn all dies keinen Einfluss auf die Gesamtzahl von 375 Millionen hat, deutet es doch darauf hin, dass der Motor noch läuft.
Es lässt sich kaum leugnen, dass ihm das Schweizer Volk nie ganz vergeben hat. Vasella gilt nach wie vor als abschreckendes Beispiel in einem Land, in dem ein grosses Vermögen in der Regel akzeptiert und sogar heimlich bewundert wird. Vor einigen Jahren behauptete die NZZ, sein Manöver in Monaco habe möglicherweise zum Aufkommen linker Steuervorschläge beigetragen. Das dürfte wohl zutreffen. Er hat die Krebsbehandlung grundlegend verändert, das Geld legal verdient und einen großen Teil davon durch Spenden an wohltätige Zwecke zurückgegeben. Außerdem hat er versucht, Steuern auf ein Vermögen zu vermeiden, das er größtenteils innerhalb der Schweizer Grenzen angehäuft hatte. Beide Aussagen sind zutreffend. An der heiklen Schnittstelle beider Punkte liegen die 375 Millionen.
i) https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Vasella
ii) https://www.bilanz.ch/people/daniel-vasella
iii) https://www.blick.ch/schweiz/daniel-vasella-70-baut-ein-mehrfamilienhaus-in-risch-zg-der-abzocker-der-nation-wird-jetzt-vermieter-id18995330.html
